Neuer Internet-Dienst: iCloud löst MobileMe ab

06. Jun 2011 22:00 Uhr - sw

Apple gibt im Herbst den Startschuss für den neuen Internet-Dienst iCloud. iCloud löst MobileMe ab und ist kostenlos. Die Funktion "iTunes in the Cloud" ist bereits ab heute in den USA verfügbar.

Grundsätzlich ist iCloud mit MobileMe vergleichbar: Bestimmte Daten werden auf Apple-Servern gespeichert und automatisch mit allen Geräten eines Anwenders (Macs, Windows-Systeme, iPhone, iPad, iPod touch) per Internet abgeglichen. "Sobald sich irgendetwas auf einem Gerät des Anwenders ändert, werden all seine Geräte fast im selben Augenblick drahtlos aktualisiert", verspricht Apple.

In puncto Funktionsumfang ist iCloud dem Vorgänger MobileMe allerdings weit voraus. iCloud synchronisiert nicht nur E-Mails, Kontakte und Termine, sondern auch iOS-Apps, E-Books, Fotos, Backups, Dokumente und Lieder.

"Es ist aktuell wirklich mühsam und sehr frustrierend alle Informationen und Inhalte geräteübergreifend auf dem aktuellen Stand zu halten," so Apple-Chef Steve Jobs. "iCloud hält alle wichtigen Informationen und Inhalte auf allen Geräten eines Anwenders auf dem aktuellsten Stand. Das alles passiert automatisch und kabellos und da es in die Apps integriert ist, muss man keinen Gedanken daran verschwenden - es funktioniert einfach."

Dazu Apple: "Die kostenlosen iCloud Services beinhalten:

- Die früheren MobileMe Services Kontakte, Kalender und E-Mail - jeweils mit einer völlig neuen Architektur und komplett überarbeitet, um nahtlos mit iCloud zusammenzuarbeiten. Anwender können Kalender mit Freunden und Familie teilen, der werbefreie Push-E-Mail-Account wird auf 'me.com' gehostet. Der Posteingang und sämtliche Postfächer werden auf allen iOS-Geräten und Computern des Anwenders auf dem aktuellsten Stand gehalten.

- App Store und iBookstore laden jetzt alle gekauften iOS Apps und Bücher auf alle Geräte des Anwenders herunter, also nicht nur auf das Gerät, von dem aus sie gekauft wurden. Darüber hinaus bieten App Store und iBookstore nun eine Einkaufs-Historie - ein einfacher Fingertipp auf das iCloud Symbol lädt alle Apps und Bücher auf jedes iOS-Gerät (bis zu 10 Geräte), ohne dass zusätzliche Kosten entstehen.

iCloud

iCloud: Der MobileMe-Nachfolger startet im Herbst
Bild: Apple


- iCloud Backup erstellt automatisch und sicher Backups der iOS-Geräte in der iCloud. Eine Datensicherung findet täglich über WLAN statt, sobald iPhone, iPad oder iPod touch aufgeladen werden. Gesicherte Inhalte umfassen gekaufte Musik, Apps und Bücher, Aufnahmen (Fotos und Videos), Geräteeinstellungen und Daten der Apps. Wird ein iOS-Gerät ersetzt, reicht die Eingabe der entsprechenden Apple ID und des dazugehörigen Passworts während des Einrichtungsvorgangs und iCloud stellt das neue Gerät wieder her.

- iCloud Storage speichert nahtlos alle mittels iCloud Storage APIs erstellten Dokumente und pusht sie auf jedes Gerät des Nutzers. Wird ein Dokument auf einem der Geräte verändert, pusht iCloud diese Änderungen automatisch auf alle anderen Geräte des Anwenders. Die Apps Pages, Numbers und Keynote von Apple machen sich den iCloud Storage Dienst bereits zunutze. Anwender erhalten bis zu 5 GB an kostenlosem Speicherplatz für ihre E-Mails, Dokumente und Backups. Das ist umso erstaunlicher, da der Speicherplatz für Musik, Apps und Bücher, die bei Apple gekauft wurden und das Speichervolumen, das Photo Stream benötigt, nicht auf diese 5 GB Gesamtspeicherkapazität angerechnet werden. Anwender können zudem zusätzlichen Speicherplatz erwerben - Details dazu werden zum Start von iCloud diesen Herbst bekannt gegeben.

- Der innovative Photo Stream Service von iCloud lädt automatisch sämtliche Fotos, die ein Nutzer mit einem seiner Geräte schiesst oder auf eines seiner Geräte importiert hoch und pusht sie zu allen Geräten und Computern des Anwenders. So kann man beispielweise während eines nachmittäglichen Baseball-Spiels mittels iPhone ein Dutzend Fotos von seinen Freunden machen und die aufgenommenen Bilder stehen auf dem iPad (oder sogar Apple TV) des Nutzers zum Teilen mit der gesamten Gruppe bereit, sobald man nach Hause kommt. Photo Stream ist in die Foto Apps aller iOS-Geräte und in iPhoto auf Macs integriert und wird im Bilder-Ordner von PCs gespeichert. Um Speicherplatz zu sparen werden die neuesten 1.000 Fotos auf jedem Gerät gespeichert, um sie dort ansehen, oder in ein Album zur permanenten Speicherung verschieben zu können. Macs und PCs speichern sämtliche Fotos aus Photo Stream, da sie über mehr Speicherplatz verfügen. iCloud speichert jedes Foto für 30 Tage in der Wolke, genügend Zeit, um seine Geräte mit iCloud zu verbinden und automatisch die neuesten Fotos über WLAN aus Photo Stream herunterzuladen.

- iTunes in the Cloud ermöglicht das Herunterladen der bereits gekauften iTunes Musik auf sämtliche iOS-Geräte eines Nutzers, ohne dass zusätzliche Kosten anfallen. Neue Musikeinkäufe können automatisch auf alle Geräte eines Anwenders heruntergeladen werden. Dank iTunes Match kann man die selben Vorteile zusätzlich auch für nicht in iTunes erworbene Musik erhalten. iTunes Match ist ein Service, der Musiktitel des Anwenders mit einer DRM-freien Version im AAC-Format und einer Datenrate von 256 KBit/s ersetzt, sofern der über 18 Millionen Songs umfassende iTunes Store ein entsprechendes Pendant bereithält. iTunes Match macht die entsprechende Musik binnen Minuten verfügbar (anstatt Wochen, die es bräuchte um die gesamte Musikbibliothek eines Nutzers hochzuladen) und lädt nur den kleinen Prozentsatz der Musik des Nutzers in die Cloud, zu dem kein entsprechendes Gegenstück im iTunes Store gefunden werden konnte. iTunes Match wird ab Herbst dieses Jahres für eine Jahresgebühr von 24,99 US-Dollar zur Verfügung stehen. Apple veröffentlicht heute eine kostenlose Beta-Version von iTunes in the Cloud, ohne iTunes Match, für iPhone, iPad und iPod touch Nutzer auf deren Geräten iOS 4.3 läuft. iTunes in the Cloud wird alle iPhone-Modelle unterstützen, auf denen das im Herbst erscheinende iOS 5 läuft.

Apple ist bereit iCloud in seinen drei Datenzentren, darunter das dritte kürzlich fertig gestellte in Maiden, NC., zu starten. Apple hat über 500 Millionen US-Dollar in das Datenzentrum in Maiden investiert, um dem erwarteten Kundeninteresse an kostenlosen iCloud Services gerecht zu werden."

iCloud startet zeitgleich mit dem iOS 5.0

iCloud befindet sich ab sofort im Betatest für Mitglieder des iOS- und Mac-OS-X-Entwicklerprogramms. Der offizielle Startschuss für iCloud ist für den Herbst geplant – zeitgleich mit dem iOS 5.0.

"Anwender können sich kostenlos für iCloud über ein iPhone, iPad oder iPod touch, auf dem iOS 5 läuft oder einen Mac mit Mac OS X Lion und einer gültigen Apple ID anmelden. iCloud beinhaltet 5 GB an kostenlosem Speicherplatz in der Wolke für E-Mail, Dokumenten-Speicher und Backup. Gekaufte Musik, Apps, Bücher und Photo Stream werden nicht auf diese Speichergrenze angerechnet. iTunes Match wird für 24,99 US-Dollar pro Jahr erhältlich sein (ausschließlich in den USA)", so Apple.

"iTunes in the Cloud" ist ab heute in den USA verfügbar und setzt iTunes 10.3 voraus.

Hinweis für bestehende MobileMe-Kunden: Apple hat alle aktiven MobileMe-Accounts kostenfrei bis zum 30. Juni 2012 verlängert. Danach wird MobileMe abgeschaltet.

Kommentare

Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Hätte gedacht, dass Apple dem User hier richtig in die Tasche greift. Aber gut, angesichts der Konkurrenz von Google & Co. sind kostenlose Internet-Dienste wohl der einzige Weg für Apple.

Hoffentlich läuft die Einführung von iCloud reibungsloser ab als damals MobileMe!

[quote=Mac@Night]Hätte gedacht, dass Apple dem User hier richtig in die Tasche greift.[/quote]Natürlich greift Apple tief in die Taschen Ihrer Kunden: alle paar Jahre werden die alten Geräte nicht mehr kompatibel sein mit den neuesten Updates, neue Hardware ist dann zwingend fällig (iTunes läuft nicht mehr auf 10.4, 10.6 nicht mehr auf PPC, Rosetta nicht mehr mit 10.7 u.s.w.).

Wenn es kostenlos wäre, würde Apple auch Clients für Win & Linux verschenken ;-)

Gruß Uli

Gruß Uli

Das Geheimnis rund um den Umgang mit Kunden, die erst kürzlich für die Verlängerung von MobileMe um ein Jahr bezahlt haben, ist gelüftet. Still und heimlich hat Apple im Support-Bereich seiner Website die FAQ ergänzt:

Wer bis zum 06. Juni 2011 einen aktiven MobileMe Account besitzt und für die Verlängerung bezahlt hat, behält diesen bis zum 30. Juni 2012. Danach wird MobileMe abgeschaltet. Mit anderen Worten: Wir bezahlen für die Sachen, die parallel dazu kostenlos erhältlich sind, dürfen aber selbstverständlich auf den neuen Dienst umstellen und unsere Email-Adresse mitnehmen. Geschickt gelöst und rechtlich garantiert nicht anfechtbar.