Vier von zehn Internetnutzern hören Musik bei Streaming-Diensten

08. Aug 2016 11:00 Uhr - Redaktion

39 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren nutzen Musik-Streaming-Dienste. Das hat eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverband Bitkom ergeben. Rund ein Fünftel (22 Prozent) bezahlt für die Musik-Angebote von Apple Music, Spotify, Deezer, Soundcloud & Co.

"Anbieter von Musik-Streaming sind inzwischen mehr als nur riesige Online-Plattenläden. Nutzer finden dort kuratierte Wiedergabelisten, Konzerttickets ihrer Lieblingskünstler oder die Möglichkeit, Musik mit Freunden zu teilen", sagt Timm Lutter, Bitkom-Experte für Consumer Electronics & Digital Media. Die Attraktivität der Musik-Streaming-Dienste kommt auch der Musikindustrie zugute: laut Global Music Report 2016 ist Streaming die am schnellsten wachsende Einnahmequelle der Branche. Dank der hohen Einnahmen aus dem digitalen Geschäft stieg auch der weltweite Umsatz mit Musik um 3,2 Prozent. "Mindestens 70 Prozent der Einnahmen kostenpflichtiger Streaming-Dienste werden an die Rechteinhaber ausgeschüttet, etwa Labels, Verlage oder Verwertungsgesellschaften", sagt Lutter.

Vier von zehn Internetnutzern hören Musik bei Streaming-Diensten

Vier von zehn Internetnutzern hören Musik bei Streaming-Diensten.
Bild: Bitkom.



Vor allem Jüngere nutzen die Musik-Archive. Über die Hälfte der 14- bis 29-jährigen Internetnutzer streamt Musik online (55 Prozent). Unter den 30- bis 49-Jährigen geben 41 Prozent an, Musik zu streamen, unter den 50-bis 64-Jährigen 32 Prozent. "Die Streaming-Dienste entwickeln ihr Angebot ständig weiter und bieten mittlerweile passende Inhalte für alle Altersklassen“, sagt Lutter. "Für Kinder gibt es Hörspiele sowie eine altersgerechte Musikauswahl. Für Jugendliche und Erwachsene gibt es ein breites Angebot an Hörbüchern sowie Musikarchive, die mehrere Millionen Titel umfassen. Bei einigen Anbietern können auch Radioshow-ähnliche Inhalte, sogenannte Podcasts, gestreamt werden".

Gegenüber einem klassischen Download hat Streaming den Vorteil, dass die Inhalte auf nicht erst langwierig auf die Endgeräte heruntergeladen werden müssen, sondern nur vorübergehend zwischengespeichert werden. Dies ermöglicht Audio-Dateien direkt und ohne Wartezeit wiederzugeben. Musik-Streaming-Dienste bieten sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Streaming-Angebote. Die kostenlose bzw. werbefinanzierte Variante begrenzt oft die Funktionen oder spielt zwischen einzelnen Titeln Werbespots ab.

Kostenpflichtige Premiumaccounts geben dem Nutzer werbefreien und unbegrenzten Zugang zu den Musik-Archiven, oft in besserer Abspielqualität. Zudem gibt es Anbieter, die wie ein personalisiertes Radio funktionieren und Titel je nach ausgewählten Musikgenres abspielt. Andere Streaming-Dienste bieten Musikern die Möglichkeit, eigene Stücke hochzuladen und zu teilen. Der Marktführer Spotify mit etwa 100 Millionen Nutzern kann im Gegensatz zu Apple Music auch kostenlos gehört werden (mit Werbeeinblendungen und diversen Einschränkungen). Apple bietet für den eigenen Dienst lediglich eine kostenfreie dreimonatige Testphase.

Der Nachteil von Streaming-Diensten: die Musik gehört dem Nutzer nicht. Wird das Abo beendet oder stellt ein Dienst seinen Betrieb ein, geht der Zugriff auf die Musikbibliothek verloren. Zudem gibt es nicht überall schnelles Internet, was die Nutzung von Streaming-Angeboten erschwert. Vor diesem Hintergrund wird das klassische Vertriebsmodell – das Kaufen einzelner Songs oder kompletter Alben – weiterhin eine hohe Bedeutung haben.

Kommentare

Kauf und weg, alles austauschbar, Hauptsache man kann sie alle haben (solange Du zahlst)
Kommerzielle-Streamingdienste sind in meinen Augen eine Pest.
Das gehandelte Gut wird beliebig und noch schnelllebiger.
Da kann man nur froh sein, dass digitaler Content in dem Sinne keinen Müll produziert und 100% löschbar ist.
Das freut die Content-Anbieter auch!

Zur Umfrage. Natürlich werden die konkreten Fragen mal wieder nicht veröffentlicht, oder habe ich sie nicht gefunden - vielleicht nicht gewollt?!
Erst dann kann man die Ergebnisse nämlich einordnen. Ansonsten ist diese Umfrage reine Makulatur und Augenwischerei.
Da hilft auch die Angabe der Repräsentativität nichts.
Im Umkehrschluss sind 4 von 10 immer noch weniger als 6 von 10…
Auf jeden Fall handelt es sich aus meiner Sicht um eine reine Marketing-Aktion um "Streaming-Dienste" schmackhaft zu machen!

vg.

P.S.
Apropos Konsum. Heute ist #earthovershootday
www.overshootday.org
https://www.youtube.com/watch?v=zMvpAz38qSo

In meinem Bekanntenkreis hat sich die Nutzung von Spotify & Co. fast schon inflationär verbreitet. Allerdings herrscht noch oft der Irrglaube vor dass wenn man die Zahlung beendet, man immer noch Zugriff auf die Musik hat...

Ich halte nichts von Streaming-Diensten. Ich kaufe ganz klassisch die Musik, die mir gefällt. Einzig Radio-Streaming-Sender zu bestimmten Genres höre ich. Gefällt mir dort ein Song, wird der sogleich erworben.

... nur dass ich mittlerweile kaum noch hinkriege mein Zeug zusammenzusuchen. iTunes ist so, so kaputt, und ich habe echt keinen Bock mehr wieder die Funktionen zu suchen. Ergebnis ist, dass ich mir oft auf YouTube meine gekauften (!) Tracks gestreamt anhöre und das mit Audio-Hijack mitschneide. Nicht schön, aber momentan die einzige Lösung für mich.

Streaming a la Spotify kommt für mich nicht in Frage, besonders weil die Auswahl schlecht ist bzw. nicht meinen Geschmack trifft. Ich finde auch die User experience bei Stream ganz schlecht (Video und Audio).